Seit einem Jahrzehnt Arzberger Tafel – seit einem Jahrzehnt 100 % Ehrenamt

Im Fichtelgebirge versorgt die Arzberger Tafel seit 2009 ehrenamtlich bedürftige Personen gegen einen kleinen Unkostenbeitrag mit Lebensmitteln. Damit ist die Arzberger Einrichtung eine von über 940 gemeinnützigen Tafeln in Deutschland, die jeden Tag einen Ausgleich zwischen Arm und Reich schaffen – zwischen prekären Lebenssituationen und einer Wohlstandsgesellschaft, in der täglich etliche Tonnen Lebensmittel vernichtet werden, obwohl sie noch verzehrfähig sind.

Auch in Arzberg werden überschüssige, qualitativ einwandfreie Lebensmittel gesammelt und an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte verteilt. Diese Form gelebter Solidarität und Mitmenschlichkeit ist ein Grundstein der Arbeit des AWO Ortsverbandes in Arzberg, an den die Arzberger Tafel seit ihrer Gründung vor zehn Jahren angegliedert ist.

Die Arzberger Tafel startete 2009 in den kleinen Räumen einer alten Metzgerei und konnte 2016 ins neugegründete und barrierefreie AWO Haus umziehen. Jetzt ist alles größer und heller und vor allem auch mit Kühlräumen ausgestattet. Mit über 30 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern werden von der Arzberger Tafel wöchentlich die Lebensmittel von Lebensmittelmärkten gesammelt, sortiert, eingelagert und an bedürftige Menschen ausgegeben. Jeden Samstag werden ab 8 Uhr die Waren im „Tafel Laden“ in die Auslage geräumt, wird Brot vom Bäcker vom Vortag abgeholt und alles für die Tafelkunden vorbereitet. Ab 13 Uhr öffnet der „Tafel Laden“ dann seine Türen in der Thiersheimer Straße 1 in Arzberg. Momentan versorgt die Tafel Dank der großen Unterstützung von vielen Firmen und Privatpersonen aus Arzberg und Umgebung wöchentlich ca. 70 Haushalte und rund 150 Personen.

Einer der Helfer jeden Samstag ist Ismaila. Er kommt ursprünglich aus dem Senegal, ist 22 Jahre alt und macht seit kurzem eine Ausbildung. Er ist einer von vielen ehrenamtlichen Helfer*innen der Tafel mit Migrationshintergrund in Arzberg, denn da in der Kleinstadt zwei große Unterkünfte für Geflüchtete sind, sind nicht nur viele Tafelkund*innen Geflüchtete, sondern auch viele Helfer*innen. „Ich bin froh, dass wir hier an der Arzberger Tafel so ein gutes Miteinander über alle kulturelle Grenzen hinweg haben“ meint der AWO Vorsitzende Alexander Wagner, der genauso wie die anderen Helfer*innen je nach Schichtplan ehrenamtlich an der Tafel mitanpackt, mal als Fahrer, mal in der Ausgabe. Er und Ismaila sind sich einig, dass die Tafel kein Ort für Rassismus ist.

 Deswegen feierte die Arzberger Tafel am 28. September ein großes interkulturelles Jubiläumsfest zeitgleich mit dem 13. bundesweiten Deutschen Tafel-Tag. Bei diesem Tag der offenen Tür in den Räumen der AWO Arzberg und im „Tafel Laden“ kamen alle zusammen: Bürger*innen aus Arzberg, neue und alte Helfer*innen der Tafel, Tafelkund*innen und viele Freund*innen und Unterstützer*innen des Projektes. Es gab neben internationalen Speisen von der Kochgruppe „Multi-Kulti-Narisch“ – ein Projekt von Geflüchteten und Einheimischen -, Bratwürsten und Kuchen auch eine Ausstellung im AWO Haus. Die kleine Ausstellung beleuchtet den Zusammenhang von Fleischkonsum im reichen Norden und Armut im Süden.  Auch an einem kleinen Quiz, das spielerisch die Zusammenhänge zwischen Konsum, Klimakrise und sozialer Ungleichheit aufzeigte, haben viele in Arzberg mitgemacht

Aber da die Tafel in Arzberg seit einem Jahrzehnt zu hundert Prozent ehrenamtlich organisiert, geleitet und mit Leben und Lebensmitteln gefüllt wird, war das wichtigste des Tages, das langjährigen Tafelmitarbeiter*innen für ihren unermüdlichen sozialen Einsatz von ganzem Herzen gedankt wurde. Denn ohne Ehrenamtliche wie Ismaila, Simone, Uli, Brigitta oder Günther ginge auch an der Arzberger Tafel nichts.